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Cranz - Selenogradsk
Die erste historische Erwaehnung von Cranz geht zurueck auf die Zeit der Eroberung der von Preussen besiedelten Gebiete durch den Deutschen Orden. Als die Ritter in der zweiten Haelfte des 13. Jahrhunderts Kurs auf die Kurische Nehrung nahmen, bauten sie direkt an ihrem Anfang ein Gasthaus, das den Namen „Krantkrug“ (von dem prussischen Wort „krantas“ für Uferboeschung, Abhang) trug und bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts existierte. Unweit der Gastwirtschaft siedelten sich zunaechst Vogelfaenger, dann Fischer an. Im 17. Jahrhundert wurde das Fischerdorf Cranz erstmals schriftlich erwaehnt.

Mit Beginn des 19. Jahrhunderts kommt das Baden im Meer in Mode, und 1813 beginnt der Medizinalrat Friedrich Kessel mit der Suche nach einem geeigneten Ort, um den ersten ostpreußischen Badeort zu eroeffnen. Nachdem er einige an der Kueste gelegene Siedlungen besucht hatte, fiel seine Wahl auf Cranz. So wurden 1816 die ersten beiden Baeder ausgestattet: eines für die Damen, eines für die Herren. Zu dieser Zeit bestand das Fischerdorf Cranz aus 45 strohgedeckten, aermlichen Haeusern, in denen seine 300 Einwohner leben. In diesen Haeusern uebernachteten auch die ersten Kurgaeste.

1817 wurden geheizte Meeresbaeder eroeffnet, damit die Saison verlaengert werden konnte. Mit der wachsenden Popularitaet des Badeortes wurden die Fischerkaten an den Ortsrand gedraengt, waehrend im Ort selbst immer mehr kleine Haeuser von origineller Bauweise entstanden. In ihnen waren Hotels, Pensionen oder einfach moeblierte Zimmer untergebracht, die an die Urlauber vermietet wurden. Schon im Jahr 1844 erhielt Cranz den Titel eines Koeniglichen Kurorts. Im Jahr 1885 eroeffnete die Eisenbahnlinie Koenigsberg - Cranz, was die Zahl der Urlauber aus Koenigsberg deutlich erhoehte. Das Bahnhofsgebaeude wurde an der Stelle errichtet, an dem sich das alte Gasthaus befand, das den Grundstein für die Entstehung des Ortes gelegt hatte. Cranz bearbeitet im oestlichen Teil der Stadt ein großes Territorium, in dem der herrliche Park „Plantage“ angelegt wurde. Bis zum Ende des Ersten Weltkrieges erlebt der Kurort eine Zeit der Erneuerungen. Aus dieser Zeit stammt auch die 900 Meter lange Uferpromenade entlang des Meeres.

Ende der 30er Jahre hatte Cranz ca. 6000 Einwohner, sechs Kirchen unterschiedlicher Konfessionen, mehr als 40 Hotels, Gasthaeuser, Pensionen, Cafés und Restaurants und eine Vielzahl privater Villen. Außerdem gab es eine eigenes Elektrizitaetswerk, ein Gaswerk und eines auf 30.000 Menschen ausgelegte Klaeranlage. 1935 erhielt Cranz ein eigenes Wappen: ein Schild, dessen obere Haelfte eine Elchschaufel ziert, waehrend die untere Haelfte vor dem Hintergrund des blauen Meeres eine Scholle zeigt. Das Wappen symbolisierte die Naturreichtuemer des Gebiets. Es gab in Cranz eine ganz besondere Tradition: Die Schollen raeucherte man in Zapfenrauch, golden und wohlriechend wurden sie auf allen Straßen und Plaetzen der Stadt verkauft. Und jeder Tourist hielt es für seine Pflicht, eine „Cranzer Scholle“ mit nach Hause zu bringen.

Im Zweiten Weltkrieg blieb der Kurort fast unzerstoert. Die Kaempfe fanden auf den Zugangswegen zur Stadt statt. Am 4. Februar 1945 wurde Cranz von den sowjetischen Truppen eingenommen. 1946 wurde Cranz in Nachimovsk umbenannt, 1947 dann in Selenogradsk.

Sehenswerters in Cranz - Selenogradsk

Adalbertkirche
Die Kirche wurde gebaut nach dem Plan des Architekten Launir, am 23. August 1896 fand die feierliche Grundsteinlegung statt, und am 5 November 1897 wurde die Kirche als evangelische Adalbertkirche geweiht. Sie ist aus rotem Backstein gebaut und hat einen 42 Meter hohen Turm im neogotischen Stil. In der Mitte des Altarraums hing das Bild „Christus, der den stuerzenden Petrus haelt“. Es gab eine Orgel, die das Werk des beruehmten Koenigsberger Orgelbauers Terlezki war. Im Glockenturm hingen drei große Glocken. Im Ersten Weltkrieg wurden die Glocken für Kriegsmittel eingeschmolzen, aber bald darauf goss man neue Glocken aus dem Geld der Gemeinde Cranz und einer Spende von Adolf von Batoñki-Friebe. Von seinem Geld wurden der Kirche spaeter auch eine Kanzel und drei Buntglasfenster gestiftet. Von Batocki-Friebe, der der Patron der Kirche war, war von 1914 bis 1917 Oberpraesident Ostpreußens. Nach dem Zweiten Weltkrieg verlor das Gebaeude seine religioese Bestimmung, es diente lange Zeit als staedtische Sporthalle. Seit 1995 ist eine orthodoxe Kirche aus ihr geworden, die den Namen Kirche der Heiligen Verklaerung traegt. Das Aeußere der Kirche hat sich praktisch nicht veraendert, aus diesem Grunde wurde vor der Kirche ein kleiner hoelzerner Glockenturm gebaut, da diese per Hand bedient werden um dim eigentlichen Glockenturm der Kirche keine mehr angebracht sind.
Adresse: Selenogradsk, Ulitsa Moskovskaja 13a



Andreaskapelle
In den Jahren 1903 bis 1904 plante und baute der Koenigsberger Schreinermeister Laufer eine Kapelle im neogotischen Stil. Bald wurde dieses nicht sehr große (9x12 m) Bauwerk geweiht als katholische Kapelle des Hl. Andreas. Die Waende waren mit großartigen Fresken verziert. Zunaechst leiteten Priester aus Koenigsberg die Gottesdienste, erst 1936 bekam die katholische Gemeinde von Cranz seinen eigenen Pastor in Person von Anton Poschmann. Waehrend der sowjetischer Zeit befand sich in der Kapelle lange ein Lagerraum. Er geriet zweimal in Brand, und diese Braende vernichteten die Fresken. Spaeter wurde die Kapelle fuer den orthodoxen Gottesdienst umgebaut. Heute ist es die kleine, gemuetliche orthodoxe Kirche Andreas des Erstgenannten.

Adler-Apotheke
Besitzer der Apotheke war Ernst Werschinski. Er war einer der bekannten und geachteten Persoenlichkeiten von Cranz. Besonderes Ansehen genoss er unter den Fischern, denn im Winter, wenn ihr Einkommen gering war, gab er ihnen Medizin zu verguenstigten Preisen.
1933 kamen die Nazis an die Macht, die Jagd auf Juden begann. 1934, als er von Verfolgung bedroht war, verkaufte Werschinski die Apotheke und die dazugehoerige Drogerie und reiste nach Berlin. Von dort aus wurde er wie viele andere Juden in ein Lager deportiert. Ueber das weitere Schicksal von Ernst Werschinski ist nichts bekannt. Heute ist das Gebaeude, in dem sich die Apotheke befand, ein Wohnhaus. Im Erdgeschoß befindet sich ein Geschaeft. Die großen Buchstaben des Wortes „Apotheke“ sind noch auf der Wand.

Kaufhaus “Sternfeld”
Das Gebaeude wurde Anfang des 20.Jahrhunderts gebaut. „Sternfeld“ war ein großes Koenigsberger Handelsunternehmen mit vielen Filialen. Der Besitzer war Nathan Sternfeld. Im Kaufhaus „Sternfeld“ konnte man wirklich alles finden. Wie es im Reklameprospekt hieß, konnte man „voellig nackt hinein gehen, und gut gekleidet herauskommen“. Und nicht einfach nur gut gekleidet, sonder nach der neuesten Mode. Eine Filiale mit dem Namen „Rotes Haus“ befand sich auch in Cranz im Erdgeschoß der Koenigsberger Straße 39. Die oberen Stockwerke waren an Urlauber vermietet. 1933 wurde das Erdgeschoss einem Großaktionär der Karstadt-Gesellschaft verkauft. Im ersten Stock befand sich die Wohnung des Buergermeisters der Stadt. Nach dem Zweiten Weltkrieg befand sich hier eines der Gebaeude des Sanatoriums „Selenogradsk“. In den 90er Jahren wurde das Gebaeude an eine Privatperson verkauft und saniert
Adresse: Ulitsa Pugatscheva 4

Das Haus von Friedrich Bast
Das Gebaeude wurde aus zwei Teilen gebaut. Die linke Seite gehoerte dem reichen Hausbesitzer Friedrich Bast. Seine Wohnung befand sich im Erdgeschoss. Den ersten Stock benutzte der bekannte Zahnarzt Pankow als seine Praxis. Auf der rechten Seite befand sich das Pensionat Zamory, in dem Zimmer an Urlauber vermietet wurden. Das Gebaeude ist ein Architekturdenkmal als typisches Beispiel fuer den ostpreußischen Jugendstil. Fuer diesen Stil ist Asymmetrie charakteristisch. Die Zierrahmen um die Fenster sind alle unterschiedlich, und ueber dem Portal befindet sich ein dekoratives Pflanzenmuster. Der Kreis und die vier von ihm ausgehenden Strahlen symbolisieren die Sonne. Vom Ende der 40er Jahre bis zum Anfang der 60er Jahre befand sich im Erdgeschoss und im ersten Stock das Gebietskomitee der Partei, und im zweiten Stock die Gebietsbibliothek. Heute befindet sich hier einer der besten Kindergaerten von Selenogradsk.

Villa Krell
Gebaut wurde die Villa Anfang des 20. Jahrhunderts. Das Gebaeude gehoerte dem bekannten Anwalt und Notar Max Krell. Er war lange Zeit Buergermeister der Stadt Memel (Klaipeda). Als er in den Ruhestand ging, zog er mit seiner Familie nach Cranz. Krell baute hier eine Villa nach seinem eigenen Plan. Aus diesem Grund sehen Sie in dem Gebaeude eine Mischung verschiedener Stile. Die Silhouette und die Zierrahmen um die Fenster erinnern an ein russisches Bauernhaus, waehrend der obere Teil des Gebaeudes gotische Elemente aufweist. Das Dach ist mit ungewoehnlich glasierten Ziegeln gedeckt. Die Konstruktion der Fenster des Ballsaals war ganz und orginell: die Schieberahmen bewegten sich auf speziellen Raedchen. Dieses interessante und gut erhaltene Gebaeude war und ist eine Zierde fuer den Badeort. Im Oktober 1947 wurde das Gebaeude in eine Kinderbibliothek umgewandelt, welche sich noch heute dort befindet.

Der Wasserturm
Der 40 Meter hohe Wasserturm wurde im Jahr 1905 gebaut und versorgte den ganzen Kurort mit Wasser. Stoerungen in der Wasserversorgung gab es so gut wie nie. In Cranz gab es zwei Trinkwasserbrunnen, einen neben dem Gebaeude der Cranzer Krankenhauses, einen anderen am Bahnhof. Mit Hilfe einer Pumpe wurde das Wasser in das Leitungsnetz eingespeist. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Turm nicht repariert, und ein Teil der Rohre kam aus dem Bauwerk heraus. 1946 versuchte man, den Turm wieder instand zu setzen und ihn seiner Bestimmung nach zu verwenden. Die aus den Mauern herausragenden deutschen Rohre wurden durch neue ersetzt, sie hielten jedoch dem Wasserdruck nicht Stand. Der Turm zeichnet sich durch seine eigenartige Kuppel aus, ist das zweithoechste Architekturobjekt der Stadt und eines der Wahrzeichen von Cranz-Selenogradsk.

Das Postamt
Ein praechtiges Gebaeude vom Anfang des 20. Jahrhunderts aus roten Ziegeln, gebaut im neogotischen Stil. Hier befanden sich die Post, das Telegrafenamt und die Dienstwohnung des Postvorstehers. Ende der 30er Jahre wurden die herkoemmlichen Stempel gegen neue ausgetauscht, auf denen ein Elchkopf abgebildet war. Ungefaehr zu dieser Zeit diskutierte man auch das neue Wappen für Cranz, auf dem ebenfalls ein Elchgeweih abgebildet sein sollte. Bis zum heutigen Tage ist das Gebaede fast unveraendert erhalten geblieben. Nur den Platz am Giebel nimmt nun nicht mehr das ostpreußische Wappen ein, sondern das Zeichen der „Elektrosvjasi“. Heute befindet sich im dem Gebaeude das Telegrafenamt und die „Severo-Sapadnyj Telekom“ (Nord-West Telekom).

Die Kurverwaltung
Das Gebaeude wurde Anfang des 20. Jahrhunderts im modernen Stil erbaut. Dieses schmucke Haus aus roten Ziegeln mit Tuermchen und glasierten Dachziegeln war Sitz der Kurverwaltung. Genau hierher sollte jeder Urlauber, der sich laenger als drei Tage in Cranz aufhielt, zur Anmeldung kommen und an die Kasse eine Kurtaxe in folgender Hoehe entrichten: eine Person fuer eine Woche: vier Mark, fuer zwei sieben Mark u.s.w. Das Geld sollte zum Wohl des Kurorts verwendet werden. Das Gebaeude ist eines der interessantesten Architektur- und Geschichtsdenkmaeler, das bei der Foederalen Agentur fuer Denkmalschutz registriert ist. Heute wird es als Verkaufsstelle für Mineralwasser genutzt.

Bahnhof - Zelenogradsk
Die feierliche Eroeffnung der Bahnlinie fand am 8. Juli 1885 statt. Zu dieser Zeit wurde auch der Bahnhof gebaut. Die zugrundeliegende Strecke, die Koenigsberg und Cranz verband, war 28,3 km lang. Zwei weitere Nebenstrecken wurden spaeter eroeffnet: 1895 nach Kranzbeck Hafen und 1900 nach Neukuren (Pionerskij). Sonntags und an Feiertagen im Sommer 1911 fuhren auf der Route 16 Zuege. An den Sonntagen wurde der Fahrplan zusaetzlich durch die Einfuehrung von Hauptstadtzuegen, die ohne Zwischenhalt fuhren, erweitert. Auf der Strecke fuhren Lokomotiven mit Waggons der 1., 2. und 3. Klasse, die die Namen Moewe, Adler, Falke und Seehund trugen. Bis zu unserer Zeit hat sich das Bahnhofsgebaeude kaum veraendert.

Bahnhof



Nuetzliche Infos

Banken/Geldautomaten
Sberbank, Geldautomat 24 Stunden
Adresse: Kurortnyi Prospekt 4
Severo-Zapanyi Bank, Geldautomat 24 Stunden
Adresse: Ulitsa Sibirjakova 16

Restaurant/Cafe/Bar
Café Meridian
Adresse: Ulitsa Volodarskovo 24b, perfekt fuer Fischliebhaber, Café liegt direkt am Ostseestrand

Restaurant Zabava
Adresse: Ulitsa Volodarskovo 8

Bar-Café 777
Adresse: Kurortnyi Prospekt 6

Stolovaja
Adresse: Ulitsa Pugatscheva 4

Sonstiges
Apotheke
Adresse: Kurortnyi Prorspekt 1

Buechergeschaeft/Stadtplaene
Adresse: Kurortnyi Prospekt 8


Cranz Strand