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Labiau – Polessk

Die kleine, hübsche Provinzstadt Polessk, die auf dem Westufer des Flusses Deime im Nordosten des Kaliningrader Gebietes liegt, hat eine lange und ruhmreiche Geschichte. Früher hatten sowohl der Fluss, als auch die Stadt ganz andere Namen. Die altertümlichen preußischen Stämme, die hierher in den Tagen der Völkerwanderung kamen, nannten den Fluss Laba. Und die Siedlung, die auf dem steilen Ufer der Laba, in der Nahe wo der Fluss ins Kurische Haff mündet, liegt, wurde Labegov genannt. Die erste Erwähnung von Labegov stamm schon aus der Mitte des XIII. Jahrhunderts. 

Man vermutet, dass das Dorf, dass von Urwäldern umgeben war, seinen Namen vom preußischen Wort labs («labbs"), was übersetzt "gut" bedeutet, hat. Offenbar, wurde dieser wunderbare Ort, der ihnen nicht nur eine großzügige Ernte auf den Feldern und einen reichlichen Fang in den Gewässern, aber auch einen zuverlässigen Schutz vor den Feinden lieferte, genau so eingeschätzt. Nach einer anderen Version, kommt der Name der Stadt vom deutschen Wort " der Schwan". Was immer es war, aber Labegov, das vom Jahre 1300 einen festen germanischen Namen Labiau erhielt, wurde vor allem von Fischer und Bauern besiedelt. Zu den Hauptbeschäftigungen der Einwohner gehörten Jagd, Fischerei und Landwirtschaft. Diese einfachen Beschäftigungen gaben ihnen Wohlstand und eine geldreiche Existenz, aber des dauerte nicht lange.

Bereits im Jahre 1258 stand die Siedlung im Weg der Kreuzritter. Eine ausgezeichnete Ausbildung, und eine gute Bewaffnung der Kreuzritter verhalfen ihnen ohne Mühe den schüchternen Widerstand der friedlichen Einwohner zu brechen und Labiau zu ergreifen. Mit dem Götzendienst der Bevölkerung war bald das Ende gemacht: alle Idole wurden vernichtet und am Flussufer wurde eine Holzfestung erbaut. Die Aufzeichnungen dieser Ereignisse sind in den Annalen des Ordens der Kreuzritter zu finden. Allerdings wollten die Einwohner den Fremden ihr Land nicht weggeben und haben einen Aufstand erhoben und ihr Land zurückerobert. Die Festung wurde niedergebrannt und die Götzen kamen wieder auf ihre Plätze zurück. Aber nicht lange genossen die Bewohner von Labiau ihre Freiheit – schon nach 15 Jahren kamen die Kreuzfahrer zurück und haben die Rebellen streng bestraft. Und am Platz der verbrannten Festung errichtete man im Jahre 1280 eine unzugängliche Burg aus Stein, die ein sicherer Zufluchtsort vor Feinden war.

Die Burg ist während der Belagerung der Jahre 1347 - 1352, als die litauischen Truppen sie durch Sturm erobern wollten, stehen geblieben, überlebte viele weitere Kriege und Schlachten, und ist auf wundersame Weise bis in unsere Tage erhalten geblieben. Seit der Gründung der Burg, hatte Labiau mehr eine Verteidigungsbedeutung, als eine handels - wirtschaftliche, und schützte somit die Wasserstraße durch Deime. Der Grund dabei ist der, dass der Großmeister des Ordens, die Bedeutung des Landes um Labiau gut verstand. Weil genau durch sie die Handelsroute zum Niemen führte. Daher waren die Burg und Festung enorm befestigt: im Jahre 1360 wurden mit Hilfe der gezwungenen Bevölkerung vier mächtige Befestigungsanlagen, die durch eine einheitliche Wand und einen breiten Graben umgeben waren, gebaut. Seit dieser Zeit, und dann für viele Jahre, blieb die Festung praktisch unzugänglich.
Im Jahre 1519 trafen sich in der Burg Labiau der Großmeister des Deutschen Ordens von Alberecht mit den Botschaftern des Moskauer Fürsten Wassilij des III. Der Großmeister führte persönlich die Verhandlungen mit der höchsten Botschaft und ihm gelang es vom Moskauer Fürstentum eine große Geldsumme, die der Orden für den Krieg mit Polen benötigte, zu bekommen.

Ein paar Jahre später kam Labiau in den Besitz von Herzog Albrecht, was einen unmittelbaren Einfluss auf seine Entwicklung hatte. In Albrechts Zeiten wurden in Labiau regelmäßige laute und mit Menschen überfüllte Messen, zu denen die Kaufleute aus verschiedenen Ländern ihre Güter brachten, durchgeführt. Aktiv entwickelten sich Handel und Fischerei. Schon bald schenkte Albrecht die Burg seiner Braut Dorothee zur Hochzeit. Aber später (nach dem Tod von Dorothee) fiel Labiau der zweiten Ehefrau des Herzogs - Anna Marie von Braunschweig an. Sie bemühte sich sehr, die Burg in respektablen Zustand zu bringen. Die Burg wurde renoviert und neu mit Wandteppichen und Gemälden, die das Leben der Ritter zeigten, eingerichtet. Der große Saal für den Empfang vornehmer Gäste wurde mit alten Adel - Wappen aus Braunschweigerischem Haus verziert.

Im Sommer des Jahres 1642 wurde das Dorf Labiau zur Stadt. Die Stadt bekam ihr eigenes Wappen, ihr Justizwesen und eine Stadtmacht, die man wählen konnte. Das Wappen von Labiau stellte ein weißes Schild, auf dem das Abzeichen einer Hand im grünen Kleid, die ein Jagdhorn hielt, war, dar. Darunter war ein alleinstehender grüner Baum und oben auf dem Schild war ein drohender Tur, ein Symbol für Autorität und Macht. Das Wappen spiegelte die Hauptbeschäftigungen der Bewohner von Labiau - Jagd und Fischerei, dar.

In der Burg Labiau fand das historische Treffen des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm und des schwedischen König Carl Gustaf statt. Zum Ergebnis des Treffens wurde der Abschluss eines Vertrages, der Preußen erlaubte seine eigene Politik unabhängig von Polen zu führen. Im Jahre 1657 hat Polen die volle Unabhängigkeit von Preußen anerkannt. Danach begann Labiau die Rolle des schützenden Vorpostens zu verlieren und die Stadt kam allmählich in Vergessenheit. Erst nach dem Bau eines grandiosen Schiffkanals, der die Städte Königsberg mit der Stadt an Memel verbildete, erinnerte man sich wieder an Labiau. Der Kanal "Fridrichsgraben" der von der Mündung des Flusses Deime durch Labiau bis an Memel ging, verhalf der Wiederbelebung des Handels und des städtisches Lebens im Grossen und Ganzen. Labiau war eine wichtige Zwischenstation auf dieser Wasserstraße.
Während des Siebenjährigen Krieges (1757) wurde die Festung Labiau von russischen Truppen kampflos gefangen genommen. Hier war auch der Gouverneur von Königsberg Her W.I. Suworow.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Labiau in Polessk umbenannt, und für das Schloss kamen harten Zeiten. Zuerst war dort ein Lager für die Häftlinge der Soldaten der faschistischen Armee, dann eine Krankensammelstelle für deutsche Bürger, die nach Deutschland deportiert wurden, dann ein Gefängnis. Die Burg gehörte mal den Geologen, mal den Beschaffern, mal dem Schiffbaubetrieb ... Erst viel später, wurde entschieden, ein historisches Museum, das heute jeder sehen kann, einzurichten. Eine weitere Sehenswürdigkeit von Polessk ist der funktionierende Kanal, der aktiv sowohl in wirtschaftlicher als auch touristischer Weise benutzt wird.

Im Laufe ihrer Geschichte überlebte die Stadt viele weitere Belagerungen, Brände und Epidemien. Allerdings bleibt Polessk, die viele Hürden überstanden hat, bis heute eine Stadt die ihre Gäste gastfreundlich empfängt. Die einzigartige Natur dieser Region, zahlreiche historische Sehenswürdigkeiten und interessante Geschichten rund um Labiau werden bei ihnen einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Die Einwohner erzählen viele Legenden über die geheimnisvolle Burg und die Stadt.

Zum Beispiel, über die brutale und grausame Gräfin, die ohne Kopf auf einem Pferd durch die Stadt geritten ist und jeden, den sie traf, erschrak. Oder über die zahlreichen Gespenster der Burg Labiau, deren Stöhnen in den leere Hallen und Burgtürmen erklingt. Es gibt immer noch eine Legende die dem Baron Münchhausen würdig wäre, die über einen Schlittschuhläufer mit abgeschnittenem Kopf erzählt. Man sagt, er sei so schnell über das Eis des Flusses gelaufen, dass er nicht bemerkte, wie er in eines der Löcher fiel, und so ihm der Kopf ganz abgeschnitten wurde. Aber der Kopf ist nicht zur Seite gerollt, er bewegte sich weiter auf dem Eis bis das nächste Loch kam, während der Körper sich unter dem Wasser bewegte. Beim nächsten Loch sprang der Körper des Schlittschuhläufers aus dem Wasser und so exakt, dass er sich gleich mit dem abgeschnittenen Kopf verband, der gleich bei der Kälte anfror, und das genau so, dass der Schlittschuhläufer ob nichts geschehen wäre, die Strecke weiterlief. Als er genug gelaufen ist, ging er in die naheste Kneipe, trank ein paar Tassen heißen Tee, roch eine gute Prise Schnupftabak und nieste ... Und hier ist der Kopf runtergefallen! Und genau solche wunderbaren Geschichten kann man von den Einwohnern von Polessk, die auf ihre Stadt stolz sind, hören.


 

 

 

 

Polessk – Das Venedig Kaliningrads
Quelle: Koenigsberger Allgemeine
Früher, zur preußischen Zeit, da trug diese Siedlung den Namen Labagow. Etymologisch stammt dieses Wort von der alten Wortwurzel „Labs“ ab – „gut“. Dieses Land war tatsächlich sehr schön und gut bestückt mit Wäldern, fischreichen Flüssen und fruchtbarsten Böden... Etwas später, als die Kreuzritter hierher zogen, wurde aus Labagow Labiau und nach der Übergabe Ostpreußens an Russland wurde die Stadt in Polessk umbenannt. Es vergingen Jahre, die Welt veränderte sich, doch diese Ortschaften behielten wunderbarerweise ihre ureigene Helligkeit und Reinheit.

Heute zählt der Polessker Bezirk etwas mehr als 19 Tausend Bewohner. Fast 8 Tausend von ihnen leben in der Stadt Polessk, die sich 48 Kilometer nördöstlich von Kaliningrad befindet. Ein Bezirk, der sich traditionell mit der Landwirtschaft beschäftigt und dessen Naturschätze, die von der Industrialisierung bewahrt werden konnten, sehr viele Naturliebhaber anlocken. Die Stadt Polessk selbst liegt auf dem linken Ufer der Deima (Deime) und wird nicht selten als das „Kaliningrader Venedig“ bezeichnet. Heute sprechen wir mit Igorj Bolsun, dem Verwaltungsleiter des Polessker Bezirkes.
KA: „Igorj Konstantinowitsch, wie schätzen Sie die gegenwärtige Gesamtlage im Polessker Bezirk ein?“
Igorj Konstantinowitsch: „In der Zeit nach der Perestrojka hat sich die ökonomische Struktur unseres Bezirkes sehr stark verändert. Wie auch im ganzen Russland, kam es auch hier zu einer beinahe völligen Stagnation. Es blieb nur die Käsefabrik erhalten und die Fischkonservenproduktion rüstete sich auf die Fleischverarbeitung um. Doch mit der Zeit hat sich die Wirtschaft etwas erholt. Es entstanden neue Produktionslinien: neben den traditionellen Tätigkeitsbereichen wurden Holzverarbeitungs- und Möbelherstellungsunternehmen gegründet. Die Produktpalette der letzteren reicht von den Möbeln der Ökonomie-Klasse bis hin zu handgefertigten Elite-Möbelstücken. Eine Art „Würze“ unseres Bezirkes ist das Rosenzucht-Unternehmen, welches unter anderem mit polnischen Mitteln finanziert wurde. Auch deutsche und italienische Investitionen werden hier mit Erfolg angewendet.“
KA: „Kann man von einer perspektivvollen Entwicklung Ihres Kreises sprechen?
Igorj Konstantinowitsch: „Wie auch allgemein woanders, gibt es momentan auch bei uns viele Probleme. Ziemlich kritisch sieht es mit der Arbeitslosigkeit aus – viele unsere Bewohner sind gezwungen, Arbeitsplätze in den Nachbarbezirken oder im Gebietszentrum zu suchen. Doch innerhalb der letzten 2 Jahre entstanden hier etwa 200 neue Arbeitsplätze, was im Vergleich zu unserer Gesamtbevölkerungsanzahl gar nicht so wenig ist. Außerdem halten wir uns das naturbedingte Potential unseres Bezirkes vor Augen und sind dabei, eine touristische Infrastruktur zu entwickeln, um hier letztendlich eine der Rekreationszonen des Kaliningrader Gebietes zu schaffen.“
KA: „Welche grundlegende Entwicklungsrichtungen hat Ihrer Meinung nach Polessk?“
Igorj Konstantinowitsch: „ Fangen wir mal damit an, dass wir im Besitz von einzigartigen Naturressourcen sind. Ob der Fluss Deima oder das Gewässernetz zwischen der Pregolja (Pregel) und Neman (Memel) – der Polessker Bezirk ist ein Anglerparadies! Wunderschöne Landschaften und eine ausgezeichnete ökologische Lage geben uns die Möglichkeit, hier ein gut laufendes touristisches Erholungsgebiet aufzubauen. Momentan befassen wir uns mit der konkreten Umsetzung von einigen Projekten in diesem Bereich. So wird in Sudakowo bald ein Hotel mit den dazugehörigen Yacht-Anlegestellen eröffnet. Hier verlaufen die Routen von den Linien-Kuttern. Die Gäste werden ihre Autos an Land lassen können, um sich dann auf dem Wasserweg zur Erholung auf die Nehrung zu begeben. Es wird am Aufbau der Infrastruktur für die Erholung, sowie auch an der Errichtung von Hotels gehobener Klassen gearbeitet.
Neben den normalen Tourismus-Arten könnten wir unseren Gästen auch exklusive Sachen anbieten. Das wären zum Beispiel Kartoffel-, Pilz- oder Fischtouren, denn nicht umsonst waren und bleiben diese Lebensmittel so beliebt im Kaliningrader Gebiet und in den Nachbarregionen. Ein Spaziergang durch blühende „Rosenfelder“, auf denen sehr viele unterschiedliche Arten dieser aristokratischen Blume gezüchtet werden, lässt auch keinen Menschen gleichgültig... Und natürlich sollte der historische Teil unseres Bezirkes nicht außer Acht gelassen werden, denn hier gibt es zahlreiche interessante Baudenkmäler wie beispielsweise das Schloss Labiau aus dem XIV. Jahrhundert oder die im Jahre 1270 gegründete Orden-Festung in der Nekrasowo Siedlung. In der Turgenewo Siedlung wiederum befindet sich eine tätige Lutherische Kirche und in der Isobiljnoe Siedlung gibt es ein Frauenkloster. Auch das Kulturleben der Stadt Polessk ist abwechslungsreich genug. In vielen Ländern kennen und schätzen Theaterliebhaber das Volkstheater von Natalja Schewtschenko, deren Truppe schon mehrere Aufführungen in russischer, deutscher, englischer und in anderen Sprachen gezeigt hat. Wie Sie sehen, wurde schon ein guter Rekreationsvorlauf geleistet und wir freuen uns sowohl auf die Gäste, als auch auf die Investoren.“
KA: “An welchen Investitionen ist Polessk am meisten interessiert?“
Igorj Konstantinowitsch: „ An allen möglichen. Natürlich ist unser Steckenpferd die Landwirtschaft und die Verarbeitung von Landeserzeugnissen. Doch wir sind schon jetzt dazu bereit, eine 40 Hektar große Fläche für eine industrielle Produktion zur Verfügung zu stellen. Würde man die üppig vorhandenen Arbeitskräfte in Betracht ziehen, könnte man hier eine Produktionsstätte mit beliebigen Produktionsrichtungen aufbauen. Nur umweltfreundlich sollten diese sein. Ehrlich gesagt, wünsche ich mir so sehr, dass es in unserem Gebiet wieder mal ein richtiges eigenes kleines Venedig geben würde.“
Jaroslaw TURUSCHEW