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Tilsit - Sowetsk – Ragnit - Neman

Im Nordosten des Kaliningrader Gebiets befindet sich das ehemalige Tilsit, heutige Sovetsk, berühmt für seine 1907 eröffnete Luisenbrücke, in deren Mitte die Grenze nach Litauen verläuft. Tilsit ist auch berühmt auch für seinen Käse, nach dessen Rezeptur eine gewisse Frau Westphal Mitte des 19. Jahrhunderts diese Spezialität hier zu produzieren begann. Zu Sowjetzeiten war der Tilsiter in Sowjetsk allerdings gänzlich unbekannt. Inzwischen wird er auch in Sowjetsk selbst wieder hergestellt, aber noch heute ist alles, was man heute über die Rezeptur allgemein weiß: er wird geschüttet, nicht gepresst.

Sowjetsk hat auch eine große historische Bedeutung. Bekanntheit erlangte die Stadt durch den Tilsiter Frieden, der hier im Jahre 1807 zwischen dem russischen Zaren Alexander I. und dem französischen Kaiser Napoleon Bonaparte geschlossen wurde. Das Haus, in dem Zar Alexander I. während der Verhandlungen lebte, ist bis heute erhalten geblieben.
Das fruehere Tilsit hat 50000 Einwohner und ist eines der bersterhaltenen und schönsten Städte im ehemaligen Ostpreußen. So zeugen die harmonisch komponierten Straßenzüge in der Altstadt noch heute von der einstigen Bedeutung der ehemals nordöstlichsten Großstadt Deutschlands, die sich schon im Mittelalter zu einem bedeutenden und wohlhabenden Handelszentrum an der Memel entwickelte.
Weitere historische und kulturelle Denkmäler: 
der Gedenkstein und die Eiche zu Ehren des Sieges Preußens über Frankreich im Jahre 1871 
die Brücke der Königin Luise (Anfang 20. Jahrhundert) 
der Soldatenfriedhof des 1. Weltkrieges.

Längs der Memel errichtete der Deutsche Orden um 1400 eine Reihe von Festungen, unter ihnen die 12 km östlich von Sowjetsk gelegene Komtursburg Ragnit. 1409 auf dem südlichen Hochufer der Memel aus dem Boden gestemmt, galt Ragnit neben der Marienburg als stärkste Festung des Ordens. Die Bauarbeiten verrichteten Strafgefangene, wovon bis heute der Ausspruch einen Ragniter machen zeugt, womit die Verurteilung von Strafgefangenen zu Zwangsarbeit gemeint ist. Nachdem sie 1829 zu einer Ruine ausgebrannt war, diente sie nach baulichen Veränderungen der zweifelhaften moralischen Hebung von Straftätern – als Gericht und Gefängnis. Heute ist die alte Festung eine Ruine, das mächtige Gemäuer mit seinem steil aufragenden Uhrenturm imponiert aber noch heute: Blickt man von hier aus über das waldige Memeltal, kann man sich eines Gefühls der Erhabenheit über die alltäglichen Sorgen kaum erwehren.

Der Gouverneur des Kaliningrader Gebiets schließt nicht aus, dass die Stadt Sowetsk ihren historischen Namen wiedererlangt.
Quelle Koenigsberger Allgemeine

Welche Perspektiven die Idee der „Rückbenennung“ der Orte der Region mit ihren ursprünglichen Namen hat? Jedenfalls hat sie sowohl Gegner, als auch Befürworter. Interessant ist, dass vor kurzem auch Beamte anfingen, sich regelmäßig zu diesem Thema zu äußern. So ergab sich, dass ein bekannter Moskauer Radiosender gleich zwei Meinungen hintereinander sendete. Zunächst sagte Felix Lapin, Chef der Verwaltung der Stadt Kaliningrad, er hätte nichts gegen die Umbenennung in „Königsberg“. Und vor kurzem gab auch der Gouverneur des Gebiets, Georgij Boos, einen Beitrag zum Thema der Stadtnamen ab. Diesmal ging es um die Stadt Sowetsk, dessen Name, so Herr Gouverneur, nur noch ein Zeugnis der sowjetischen Epoche und weiter nicht sei:
– Ich schließe nicht aus, dass die Bewohner der Stadt irgendwann den Wunsch äußern, dass die Stadt wieder ihren historischen Namen trägt, – sagte Georgij Boos – denn dieser ist mit einer Reihe weltweit bekannter Ereignisse verbunden und spiegelt die europäischen Wurzeln wieder.
Doch nicht alles ist so einfach, wie es auf den ersten Blick scheint. Herr Boos betonte wiederholt: – solche Schritte, wie die Umbenennung einer Stadt dürfen nicht durch eine Initiative „von oben“ geschehen. Ein solcher Wunsch muss unmittelbar in den Seelen der Menschen, ihren Wünschen, entstehen. Man darf hier nichts kaputt machen und beeinflussen.
So weit eine durchaus vernünftige Wertung der Situation. Sowetsk – Tilsit ist wahrscheinlich auch das auffälligste Beispiel für eine Stadt mit reicher Geschichte und einem nichts sagenden Namen. Es gibt ähnliche Situationen mit Pravdinsk – ehemalig Friedland. Doch es gibt auch andere, wie im Falle der Stadt Preußisch Eylau, welche in Bagrationovsk umbenannt wurde, zu Ehren des berühmten russischen Feldherrn aus der Zeit der napoleonischen Kriege, Ivan Bagration. Und viele andere Städte, welche heute die Namen der Helden des Zweiten Weltkrieges tragen.
Solange die Einwohner von Sowetsk und die regionale Regierung über die „Widerbenennung“ diskutieren, machen wir einen kleinen Spaziergang über die Straßen und Plätze dieser großartigen Stadt an der Grenze zu Litauen.